Innovatives E-Flottenmanagement: Im Interview mit dem Head of Fleetmanagement der flaschenpost

Innovatives E-Flottenmanagement: Im Interview mit dem Head of Fleetmanagement der flaschenpost

Die flaschenpost, Deutschlands führender Lieferdienst für Wocheneinkauf, setzt einen bedeutenden Schritt in Richtung nachhaltiger und effizienter Lieferlogistik. Bis Ende 2023 soll an allen 33 Lagerstandorten Ladeinfrastruktur aufgebaut werden, um insgesamt 1.000 Elektrofahrzeuge zu laden und zu verwalten. Bei der Konzeption und Implementierung des Ausbaus sowie dem automatisierten Laden der Fahrzeuge setzt die flaschenpost auf das Flotten- und Energiemanagement von IO-Dynamics.

Das Interview mit Stephan Zech, Head of Fleetmanagement bei der flaschenpost, gibt dazu nähere Einblicke:

Wieso habt ihr nach einer Lademanagementlösung gesucht? Was war die Ausgangslage?

Im Rahmen der Projektplanung haben wir uns Lösungen von verschiedenen Anbietern angesehen. Für die komplexen Anforderungen der flaschenpost waren jedoch die herkömmlichen Anbieter nicht innovativ genug. Wir bewegen im Jahr mit 3.000 Fahrzeugen rund zehn Millionen Bestellungen innerhalb von 120 Minuten zu unseren Kund:innen.

Bei einem so dynamischen Lieferversprechen muss jeder einzelne Prozessschritt genau sitzen. Eine Umstellung des Fuhrparks während des laufenden Geschäftsbetriebs setzte zahlreiche Anforderungen voraus. Eine flexible Fahrzeugeinsatzplanung und individuelle Fahrzeuginformationen, wie Charging Data oder GPS, sollten berücksichtigt werden. Ebenso natürlich Stromverbräuche und unterschiedliche Stromverfügbarkeiten an insgesamt 33 Standorten, um mit einer minimalen Anzahl an Ladepunkten eine maximale Ausschöpfung erzielen zu können. Ein dynamisches Lastmanagement zu implementieren, war also eine zwingende Basisanforderung des Projekts.

Welche Personen waren im Projektteam der flaschenpost involviert?

Für ein Projekt dieser Größenordnung haben wir ein interdisziplinäres Projektteam aufgestellt. Dieses besteht einerseits aus Experten des Bereiches Logistics Operations Management für Themen rund um die Flotte, Controlling, Analytics & Prozesse, aber auch Projekt- und Förder-Management. Andererseits aus Experten des Bereichs Expansion für infrastrukturelle Fragestellungen. Nahezu alle Fachabteilungen waren oder sind an irgendeinem Punkt im Projektverlauf an diesem spannenden Projekt beteiligt.

Was waren eure größten Herausforderungen beim Elektrifizieren?

Die Idee, unseren Fuhrpark irgendwann einmal zu elektrifizieren, begleitet uns, seitdem die technischen Voraussetzungen seitens der Hersteller geschaffen wurden. Seit Jahren testen wir bereits die elektrische Auslieferung, jedoch gab es lange keine für uns passende Lösung am Markt. Die Identifizierung geeigneter Partner in einem sehr volatilen Marktumfeld stellte für uns die größte Herausforderung dar.

Auch die grundlegende Erarbeitung standortspezifischer Konzepte und die Ermittlung der individuellen Stromverfügbarkeiten bedeuteten bei 33 Lagerstandorten für alle Beteiligten intensive Monate, schließlich musste die Umsetzung zusätzlich zum Tagesgeschäft erfolgen. Erschwerend hinzu kamen unvorhersehbare Entwicklungen während des Projektverlaufs, allen voran die erheblichen Lieferschwierigkeiten bei den Herstellern.

Wie lief die Zusammenarbeit zwischen IO-Dynamics und der flaschenpost ab?

Nach einer umfassenden Marktanalyse sind wir schnell auf die Dienstleistung von IO-Dynamics gestoßen. Die Lösung deckte unsere komplexen Anforderungen und bot sogar zusätzliche Möglichkeiten. Wir entschieden uns zunächst für einen Testlauf an einem unserer Standorte. Im sechsmonatigen Pilotprojekt konnte die Lösung von IO-Dynamics überzeugen und die Vorteile bestätigt werden. Aus dem gemeinsamen Pilotprojekt entwickelte sich eine vertrauensvolle und partnerschaftliche Zusammenarbeit. Wir fühlen uns sehr gut betreut, und regelmäßige Statustermine mit den Unternehmensgründern sichern den Projekterfolg und den weiteren Roll-Out.

Welche Vorteile hat die Lade- und Energiemanagementsoftware von IO-Dynamics für euch in Bezug auf CO₂-Emissionen, Kosten und andere Aspekte gebracht?

Durch die Lade- und Energiemanagementsoftware schaffen wir ein optimales Verhältnis zwischen Fahrzeuganzahl und Ladepunkten. Das Monitoring der Auslastung und Nutzung der Ladepunkte ist maximal transparent und ermöglicht schnelle Anpassungen. Gleichzeitig sind wir in der Lage, Strommengen zu reduzieren und so individuell anzupassen, wie gerade benötigt. Damit können wir zusätzlich CO₂ einsparen. Zudem profitieren wir bei so vielen unterschiedlichen Nutzern von der Möglichkeit zur Überprüfung der korrekten RFID-Autorisierung. Und kommt es einmal zu einem Ausfall einzelner Ladepunkte, ist immer auf den Remote Support Verlass.

Welche Erfahrungen habt ihr ohne eine intelligente Ladelösung gemacht und was hat sich nach der Einführung des intelligenten Lastmanagements für euch verändert?

Das intelligente Lastmanagement bietet uns vollumfängliche Transparenz über das Lade- und Nutzungsverhalten der Infrastruktur. Das Monitoring ermöglicht ein frühzeitiges Eingreifen bei Abweichungen und eine teilweise erhebliche Reduzierung der Lastspitzen. Insgesamt können wir damit sehr energieeffizient und damit klimabewusst agieren.

Ohne ein intelligentes Lastmanagement fehlen uns vor allem die übersichtlichen Dashboards, ebenso wie für uns wichtige Funktionalitäten und Entwicklungsmöglichkeiten. Ein bedarfsgerechtes Laden ist nicht möglich, sodass unsere grundsätzlichen Anforderungen nicht ausreichend abgedeckt werden können.

Wie nehmen Kund:innen und andere Stakeholder eure Elektroflotte wahr und wie integriert ihr diese in eure Unternehmenskommunikation?

Das Thema Nachhaltigkeit hat nicht nur eine hohe gesellschaftspolitische Relevanz, es ist auch ein wichtiger Teil der flaschenpost-Unternehmenskultur. Das Geschäftsmodell basiert auf dem Mehrweg-Prinzip, und die eigens entwickelte Tourenplanung der flaschenpost errechnet immer die effizientesten Liefertouren. Sechs von zehn Einzelfahrten zum Supermarkt werden in einer flaschenpost-Tour gebündelt. Da ist die sukzessive Umstellung der Lieferflotte auf Elektromobilität der nächste logische Schritt. Die Anschaffung von 1.000 Elektrofahrzeugen ist ein wichtiger Meilenstein zur Erreichung unserer unternehmenseigenen Klimaziele. Bis Ende des Jahres können wir unsere Kund:innen damit noch nachhaltiger beliefern.

Sowohl im internen als auch im externen Stakeholderkreis wird die Elektrifizierung der flaschenpost-Flotte demnach sehr positiv wahrgenommen. Als Last-Mile-Delivery-Service mit einem Liefergebiet von mehr als 200 Städten deutschlandweit können wir damit einen durchaus relevanten Beitrag zum Klimaschutz leisten. Unternehmensintern sind nahezu alle Fachbereiche in irgendeiner Form am Projekt beteiligt, sodass wir die Erreichung interner Etappenziele buchstäblich mit dem ganzen Unternehmen gemeinsam feiern.

Das Projekt stieß von Anfang an bei allen Beteiligten auf eine große Akzeptanz, sodass wir während der aktuellen Umsetzungsphase von allen Teams in den Lagerstandorten unglaublich gut unterstützt werden und die Elektrifizierung gemeinsam weiter vorantreiben können. Eng begleitet wird das Projekt von verschiedenen kommunikativen Maßnahmen, die regelmäßig über unsere internen und externen Kanäle ausgespielt werden.

Die flaschenpost gilt als Vorbild für andere Logistik- und Lieferdienste. Was habt ihr richtig gemacht?

Mit unseren innovativen Logistiklösungen und unserer selbst entwickelten intelligenten Tourenplanung haben wir uns innerhalb kürzester Zeit ein festes Standing in der Last-Mile-Logistik erarbeitet. Unser Konzept klingt zunächst einmal simpel, doch die Stärke liegt darin, dass wir unsere Logistik- und IT-Prozesse von Anfang an optimal auf unsere Anforderungen zugeschnitten haben. Durch den Warendirektbezug sparen wir entlang der Lieferkette Zeit, Wege und damit CO₂ ein.

Von der Lösung einer komplexen Herausforderung, der Lieferung schwerer Getränkekisten, ausgehend, können wir unser Angebot erweitern, ohne unsere Prozesse grundlegend ändern zu müssen. Die Sortimentserweiterung um Lebensmittel ließ sich beispielsweise sehr einfach in die bestehenden Strukturen integrieren. Die Sortimentsvielfalt in Kombination mit der Liefergeschwindigkeit und der einfachen Bestellung per App bzw. online sind die Punkte, die unsere Kund:innen am flaschenpost-Service schätzen. Die Lieferung des gesamten Wocheneinkaufs innerhalb von 120 Minuten bis zur Türschwelle bietet eine komfortable, gut planbare Alternative zum stationären Supermarkt und damit eine große Zeitersparnis im Alltag.

Neben der Auslieferung mit Elektrofahrzeugen haben unsere Kund:innen die Möglichkeit, ein sogenanntes „grünes Lieferfenster“ zu wählen, in dem mehrere Bestellungen in einem definierten engeren Umkreis zusammengefügt und erst dann ausgeliefert werden, wenn die Tour auch wirklich ausgelastet ist. So können wir unseren Kund:innen Wahlmöglichkeiten bieten und binden sie aktiv in unsere Klimaschutzbemühungen mit ein.

Welche Ambitionen habt ihr in Bezug auf Elektrifizierung?

Wir wollen nie wieder einen Diesel anschaffen. Somit werden wir uns auch in den kommenden Jahren weiter mit dem sukzessiven Austausch der Lieferflotte beschäftigen. Dazu stehen wir bereits mit verschiedenen Fahrzeugherstellern im engen Austausch. Eins steht fest: Wir werden nicht ruhen, bevor nicht auch der letzte Diesel-Transporter gegen ein Elektrofahrzeug ausgetauscht wurde.

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Wir möchten uns herzlich bei der flaschenpost für die erfolgreiche Zusammenarbeit bedanken und freuen uns darauf, gemeinsam die weiteren Schritte der Elektrifizierung zu gehen.
Mehr Infos zur Elektrifizierung der flaschenpost SE.

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