Dynamische Stromtarife für E-Flotten: Wie intelligentes Lademanagement im Depotbetrieb Stromkosten senkt

Getrieben von Klimazielen, ESG/CSRD-Anforderungen und handfesten ökonomischen Vorteilen stellen immer mehr Betriebe ihre Transporter, Dienstwagen oder Servicefahrzeuge auf Elektroantrieb um. Mit wachsender Flottengröße rückt ein Thema in den Fokus: Stromkosten und Ladeplanung. Während bei Verbrennerflotten der Treibstoffpreis im Mittelpunkt stand, hängt die Wirtschaftlichkeit elektrischer Flotten stark von Tarifmodell, Netzentgelten, Lastspitzen und der Fähigkeit ab, Ladeprozesse smart zu steuern.

Dynamische Stromtarife erklärt: Was "Day-Ahead" und "Intraday" bedeuten 

Dynamische Stromtarife unterscheiden sich von klassischen Stromverträgen mit festem Arbeitspreis dadurch, dass sich der Arbeitspreis pro kWh laufend verändert. Er ist an den kurzfristigen Strommarkt (Spotmarkt) gekoppelt und schwankt je nach Angebot und Nachfrage im Tagesverlauf. Für Unternehmen bedeutet das: Strom kostet nicht zu jeder Uhrzeit gleich viel, der Zeitpunkt des Ladens wird damit zu einem direkten Kostenfaktor.

Für das Verständnis sind zwei Begriffe aus dem Strommarkt wichtig:

Day-Ahead

Beim Day-Ahead-Markt stehen die Preise für den Folgetag im Voraus fest, meist stundenweise. Das ist besonders hilfreich für planbare Ladevorgänge im Depot, weil die Ladeplanung auf Basis eines bekannten Preisprofils erfolgen kann.

Intraday

Beim Intraday-Markt ändern sich Preise untertägig, also näher am tatsächlichen Verbrauchszeitpunkt. Das ist vor allem dann relevant, wenn sich Einsatzzeiten kurzfristig ändern oder Fahrzeuge ungeplant zurückkehren.

Entscheidend ist: Ein dynamischer Tarif ist nicht automatisch ein Spargarant. Der Vorteil entsteht nur dann, wenn Verbrauch flexibel in günstigere Zeitfenster verschoben werden kann. Genau deshalb sind dynamische Tarife für E-Flotten besonders interessant: Standzeiten im Depot bieten oft die nötige Flexibilität, um Ladezeiten an Preisfenster anzupassen. 

Damit dynamische Tarife praktisch nutzbar sind, braucht es außerdem ein intelligentes Messsystem (Smart Meter / iMSys). Es ist die technische Grundlage dafür, Stromverbrauch zeitgenau zu messen und korrekt nach variablen Preisen abzurechnen. Zudem müssen Stromlieferanten in Deutschland seit 2025 dynamische Stromtarife anbieten. Beides macht das Thema für Unternehmen im Flottenbetrieb jetzt besonders relevant.

Dynamische Stromtarife intelligent nutzen: Wie Lademanagement Stromkosten von E-Flotten im Depotbetrieb senkt

Ein dynamischer Stromtarif schafft die Grundlage für günstigere Ladezeiten, senkt Stromkosten aber nicht von allein. Der eigentliche Vorteil entsteht erst, wenn Ladevorgänge aktiv in passende Zeitfenster verschoben werden.

Für E-Flotten im Depotbetrieb ist diese Flexibilität grundsätzlich vorhanden, weil Fahrzeuge oft mehrere Stunden stehen. Entscheidend ist jedoch, dass die Ladeplanung nicht manuell, sondern systematisch erfolgt. Ohne Steuerung laden Fahrzeuge häufig direkt nach dem Anstecken, also nicht zwingend dann, wenn Strom günstig ist. So bleiben Einsparpotenziale ungenutzt, und gleichzeitig können unnötige Lastspitzen entstehen.

Der eigentliche Hebel liegt deshalb nicht im Tarif selbst, sondern in seiner intelligenten Nutzung. Hier setzt intelligentes Lademanagement an: Es verbindet Ladeinfrastruktur, Fahrzeuge und Energiesysteme zu einer zentral gesteuerten Einheit. Es berücksichtigt dabei unter anderem: 

  • Einsatzzeiten, Routen, Standzeiten, SoC (Ladezustand)
  • Netzanschlussleistung und Peak Shaving
  • PV-Erzeugung und Speicherbetrieb
  • dynamische Preissignale (Day-Ahead/Intraday)

Die Software entscheidet, welches Fahrzeug wann und mit welcher Leistung lädt, mit Blick auf Kosten, Netzstabilität und Verfügbarkeit.

In der Praxis bedeutet das: Ladefenster werden nicht nach Bauchgefühl genutzt, sondern anhand von Preisprofilen, Einsatzplanung und Netzlimits optimiert. Ladeprozesse wandern aus teuren Phasen (z. B. Abendspitzen) in günstige Fenster (oft Nacht oder EE-starke Mittags-/Nachmittagsstunden), ohne dass Disposition oder Betrieb eingreifen müssen.

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Plattformen wie elephi von IO-Dynamics verknüpfen dafür Fahrplandaten, Ladezustände, PV-Prognosen, Netzlimits und Börsenpreise und berechnen daraus die optimale Ladeplanung für alle Fahrzeuge am Depot. Erst dieses Zusammenspiel macht aus einem volatilen Tarifmodell einen planbaren Kostenvorteil für E-Flotten

Praxis-Insight: Je flexibler Standzeiten und je klarer die „Spätestens-fertig-geladen“-Zeit pro Fahrzeug, desto größer das Einsparpotenzial.

Mehr als nur sparen: Welche Vorteile smartes Laden zusätzlich bringt

Wer Ladeplanung, dynamische Stromtarife und Lastmanagement zusammen denkt, profitiert mehrfach:

1. Geringere Energiekosten

Indem Ladevorgänge gezielt in günstige Preisfenster verschoben werden, sinken die Energiekosten spürbar. Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass Einsparungen von 15 bis 30 Prozent durchaus realistisch sind: eine Größenordnung, die sich in jeder Betriebsbilanz bemerkbar macht.

2. Weniger Lastspitzen, bessere Netznutzung

Intelligentes Lastmanagement verteilt Ladeprozesse so, dass Lastspitzen vermieden werden. Das entlastet den Netzanschluss und kann die Kostenstruktur verbessern, besonders bei leistungsstarken Depotstandorten.

3. Bessere CO₂-Bilanz

Wer bevorzugt dann lädt, wenn viel erneuerbare Energie verfügbar ist, verbessert die Emissionsbilanz der Flotte. In Kombination mit PV und Speicher lässt sich dieser Effekt weiter verstärken.

4. Transparenz und Planungssicherheit

Nicht zuletzt sorgt eine datenbasierte Ladeplanung für Transparenz. Unternehmen behalten jederzeit im Blick, wann, wie lange und zu welchen Kosten Fahrzeuge geladen wurden. Das macht die Wirtschaftlichkeit der E-Flotte nicht nur messbar, sondern auch steuerbar.

Praxisbeispiel: Acht E-Lkw, Schnellladen, PV und ein dynamischer Stromtarif im Zusammenspiel

Wie groß der wirtschaftliche Hebel aus dynamischen Stromtarifen und intelligentem Lademanagement tatsächlich ist, zeigt ein Praxisbeispiel aus dem Logistikalltag.

Ausgangssituation: Elektrifizierter Depotstandort mit eigener Energieerzeugung

Ein regionaler Logistikbetrieb betreibt acht vollelektrische Lkw am eigenen Depot. Geladen wird über drei DC-Schnellladepunkte mit Leistungen zwischen 150 kW und 400 kW.

Zusätzlich verfügt der Standort über eine Photovoltaikanlage mit 425 kWp, die tagsüber einen erheblichen Teil des Energiebedarfs deckt. Damit sind sowohl hohe Ladeleistungen als auch relevante Eigenerzeugung vorhanden, eine typische Ausgangslage für größere E-Flotten im Depotbetrieb.

So greifen intelligentes Lademanagement und dynamischer Stromtarif ineinander

Das intelligente Lade- und Flottenmanagement koordiniert sämtliche Ladevorgänge zentral. Es berücksichtigt Routen, geplante Abfahrtszeiten und Ladezustände der Fahrzeuge und priorisiert jene Lkw, die zuerst wieder einsatzbereit sein müssen.

Gleichzeitig wird die PV-Erzeugung systematisch in die Ladeplanung integriert: Überschüsse aus der Mittagsproduktion werden entweder direkt für das Laden genutzt oder zeitlich so eingeplant, dass sie den Netzbezug reduzieren. Lastspitzen am Netzanschluss werden aktiv vermieden, indem Ladeleistungen dynamisch angepasst werden.

Ergänzend dazu kommt ein dynamischer Stromtarif zum Einsatz. Die Software verschiebt Ladevorgänge gezielt in günstige Preisfenster, etwa in Nachtstunden mit niedrigen Börsenstrompreisen oder in Zeiten hoher erneuerbarer Einspeisung im Netz.

So entsteht ein abgestimmtes Energiesystem: Eigenerzeugung, Netzbezug und Preissignale wirken nicht isoliert, sondern werden intelligent miteinander verzahnt.

Ergebnis: Messbare Effekte im laufenden Betrieb

Die Kombination aus dynamischem Stromtarif und intelligentem Lademanagement führt zu klar quantifizierbaren Ergebnissen:

  • Stromkosten: bis zu 25 % reduziert
  • Ersparnis: rund 45.000 Euro pro Jahr
  • CO₂-Bilanz: spürbar verbessert durch höheren Anteil erneuerbarer Energien
  • Betriebssicherheit: volle Einsatzbereitschaft aller Fahrzeuge

Das Beispiel zeigt: Dynamische Stromtarife entfalten ihr Potenzial erst im Zusammenspiel mit intelligenter Ladeplanung. Im Depotbetrieb werden sie so vom reinen Tarifmodell zu einem strategischen Instrument zur Senkung von Stromkosten und zur Optimierung der Elektromobilität.

Voraussetzungen: Was Unternehmen brauchen, um dynamische Tarife wirklich zu nutzen

Damit Unternehmen von diesen Vorteilen profitieren, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein.

1. Technische Basis

  • intelligentes Messsystem (Smart Meter / iMSys)
  • steuerbare Ladepunkte
  • zentrale Softwareplattform für Daten, Steuerung und Optimierung

2. Organisatorische Klarheit

  • definierte Ladefenster
  • klare Abfahrtszeiten / Einsatzpläne
  • Einbindung von Disposition und Betrieb

3. Energiesystem im Blick

  • Netzanschlussleistung und Lastspitzen
  • PV und Speicher (falls vorhanden)
  • Tarifstruktur und Beschaffungsmodell

Mit der Verbreitung von Smart Metern und einem immer breiteren Angebot an intelligenten Ladeplattformen sinkt die Einstiegshürde kontinuierlich. Für viele Unternehmen wird es dadurch einfacher, die Vorteile von dynamischen Tarifen und smartem Lademanagement in die Praxis zu überführen und die eigene E-Flotte fit für die Zukunft zu machen.

Kosten-Check in 3 Schritten: Wie viel Potenzial steckt im eigenen Depot?

Um einzuschätzen, ob dynamische Stromtarife im Depotbetrieb wirtschaftlich wirken können, braucht es zunächst keine vollständige Datenauswertung. Ein erster Blick auf drei zentrale Bereiche reicht oft aus, um das Potenzial grob zu erkennen.

1. Betrieb & Flexibilität: Wie planbar sind die Ladefenster?

Der wichtigste Hebel liegt in der zeitlichen Verschiebbarkeit von Ladevorgängen.

Ein paar einfache Fragen helfen bei der Einordnung:

  • Wie lange stehen die Fahrzeuge typischerweise im Depot?
  • Gibt es klare Abfahrtszeiten am nächsten Morgen?
  • Sind alle Fahrzeuge gleich priorisiert oder gibt es flexible Einheiten?

Je größer das Zeitfenster zwischen Rückkehr und nächstem Einsatz, desto besser lassen sich günstige Preisphasen nutzen.

2. Standort & Energie: Wie sieht das Energiesystem heute aus?

Damit smartes Laden wirkt, muss die technische Ausgangslage bekannt sein:

  • Wie hoch ist die verfügbare Netzanschlussleistung?
  • Wo entstehen heute Lastspitzen?
  • Welche Ladepunkte und Ladeleistungen sind im Einsatz (AC/DC)?
  • Gibt es PV und/oder Speicher, die in die Ladeplanung eingebunden werden können?

3. Tarif & Steuerung: Passt ein dynamischer Tarif zum Betrieb?

Sind Betrieb und Energiesetup grob klar, lässt sich der passende Tarifansatz einordnen:

  • Reicht ein planbares Day-Ahead-Modell für die betrieblichen Abläufe aus?
  • Sind kurzfristige Anpassungen sinnvoll, z. B. bei stark schwankenden Einsatzzeiten?
  • Gibt es eine Softwarelösung, die Preisfenster, Fahrzeugbedarf und Netzgrenzen automatisiert zusammenführt?

Wenn sich bei diesen drei Punkten Spielraum zeigt, ist eine zentrale Voraussetzung erfüllt: Der Standort bietet Potenzial, Stromkosten mit dynamischen Tarifen gezielt zu senken und Ladeprozesse deutlich effizienter zu steuern. Im nächsten Schritt geht es darum, dieses Potenzial anhand realer Betriebsdaten konkret zu quantifizieren.

An diesem Punkt setzt IO-Dynamics an: In einem kostenlosen Erstgespräch analysieren wir gemeinsam mit dir auf Basis unseres Smart-Charging-Simulators,

  • wie groß das realistische Einsparpotenzial in deinem Depotbetrieb ist,
  • an welchen Stellen die größten Hebel liegen (Tarifgestaltung, Ladeplanung, Netzanschluss, PV, Speicher),
  • und welche Maßnahmen kurz-, mittel- und langfristig wirtschaftlich sind 
Du erhältst eine fundierte Einschätzung, wie sich Ladeplanung, Tarifmodell und Energiesystem an deinem Standort sinnvoll verzahnen lassen, abgestimmt auf deinen Fuhrpark, deine Einsatzzeiten und deine betrieblichen Anforderungen.

Wenn du wissen möchtest, welches Potenzial konkret in deinem Depot steckt, unterstützen wir dich gern: Vereinbare jetzt eine kostenlose Erstberatung.


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Häufige Fragen rund um dynamische Stromtarife & Smart Charging

Was sind dynamische Stromtarife?

Dynamische Stromtarife sind Stromverträge, bei denen sich der Arbeitspreis pro Kilowattstunde (kWh) regelmäßig – meist stündlich oder viertelstündlich – entsprechend dem Börsenstrompreis verändert. Unternehmen zahlen keinen festen Strompreis, sondern können ihren Verbrauch gezielt in günstige Zeitfenster verlagern.

Für E-Flotten im Depotbetrieb bieten dynamische Stromtarife in Deutschland die Möglichkeit, Ladezeiten an niedrige Börsenpreise anzupassen und so Stromkosten systematisch zu senken.

Wie viel können Logistik- und Serviceflotten mit dynamischen Tarifen und smartem Laden sparen?

Je nach Fahrprofil, Tarifmodell und Flexibilität der Ladefenster sind Einsparungen über 30 Prozent der Ladekosten möglich.

Ist die Fahrzeugverfügbarkeit bei dynamischen Tarifen wirklich sichergestellt?

Ja, sofern ein intelligentes Lademanagement eingesetzt wird, hat die Einsatzbereitschaft der Fahrzeuge immer Vorrang. Die Software plant Ladevorgänge innerhalb definierter Zeitfenster so, dass Fahrzeuge zu den benötigten Abfahrtszeiten mit ausreichendem Ladezustand bereitstehen, auch wenn sich Preise kurzfristig ändern. Preisoptimierung findet also innerhalb der betrieblichen Randbedingungen statt, nicht auf Kosten der Verfügbarkeit.

Welche technischen Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Grundlage sind steuerbare Ladepunkte, ein intelligentes Messsystem (Smart Meter) und eine Softwareplattform für Lade‑ und Flottenmanagement. Der Smart Meter ermöglicht die zeitgenaue Abrechnung nach dynamischen Preisen, die Plattform koordiniert Ladeleistung, Zeitfenster, Fahrzeugbedarfe und verfügbare Energiequellen. Zusätzlich müssen Netzanschlussleistung und interne Elektroinstallation so ausgelegt sein, dass Lastmanagement überhaupt wirken kann.

Funktionieren dynamische Tarife und intelligentes Lademanagement auch mit Photovoltaik und Battereispeichern?

Ja, gerade in Kombination mit PV‑Anlagen und Speichern entfaltet intelligentes Lademanagement besonders viel Wirkung. Überschüsse aus der PV‑Erzeugung können bevorzugt zum Laden genutzt oder zwischengespeichert werden, während dynamische Tarife günstige Netzstrom‑Zeitfenster ergänzen. So sinken die Stromkosten, der Eigenverbrauch der PV‑Anlage steigt und der CO₂‑Fußabdruck der Flotte verbessert sich messbar.

Für welche Unternehmen lohnt sich der Einstieg besonders?

Besonders profitieren Logistikunternehmen, Serviceflotten und Betriebe mit planbaren Standzeiten im Depot.

Je größer die zeitliche Flexibilität der E-Flotte, desto höher ist das Einsparpotenzial durch dynamische Stromtarife und intelligentes Lademanagement. Auch Unternehmen mit wenigen Fahrzeugen können bereits im frühen Stadium der Elektrifizierung wirtschaftliche Effekte erzielen.

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